Warum derzeit so viele Vorstellungen abgesagt werden.

Es bleibt schwierig für unsere Branche. Zwar liegt der Fokus nicht mehr so wie in den Jahren 2020 und 2021 auf dem Verlust der Lebensgrundlage von uns Kulturschaffenden. Denn viele Menschen sind mit eigenen Problemen derart beschäftigt und/oder glauben, die Kultur, die ist doch wieder erlaubt, läuft doch wieder.

Nein, tut sie nicht! Bei uns werden reihenweise von den ohnehin deutlich weniger als in vergangenen Zeiten geplanten Vorstellungen abgesagt.

Das liegt an allerlei Gründen: die Menschen müssen für ihre Energierechnungen und andere Verteuerungen sparen, können oder wollen nicht mehr für einen Theaterabend z.B. für zwei Personen 50 Euro plus Fahrt etc. ausgeben. Außerdem haben sich viele die Kultur zu einem gewissen Grad abgewöhnt, haben sich in den vergangenen zweienhalb Jahren an ein Leben ohne (bzw. mit weniger) gewöhnt. Dazu kommt, dass viele die Erfahrung gemacht haben, dass Vorstellungen ohnehin nicht stattfinden bzw. verschoben werden und scheuen von daher zurück, im Vorverkauf Karten zu erwerben, die dann womöglich ihre Gültigkeit verlieren. Das gilt für uns genauso wie für große Theaterhäuser.

Für uns bedeutet das jedoch oft, dass im Vorverkauf immer wieder nur so wenige Karten verkauft werden, dass ein Auftreten für uns ein hohes wirtschaftliches Risiko bedeutet (die meisten von uns Künstlern waren ohnehin auch bisher nicht von hohen Margen verwöhnt…). Das Gleiche gilt natürlich auch für die Veranstalter.

Nun gut. Wir machen sogenante Kleinkunst. Dennoch: Wenn wir auftreten, dann entstehen Kosten. Für uns zwei Schauspieler, für unseren Techniker und unsere Agentur, die unsere Auftritte plant und koordiniert. Auch der Veranstalter, in dessen Räumlichkeiten wir spielen, hat meist hohe (und derzeit rapide steigende) Kosten bei geringer Förderung, rangiert also auch oft am Limit und muss sich ebenfalls über die Eintrittsgelder zumindest anteilig finanzieren. Hinzu kommen Reise- und Übernachtungskosten und natürlich die ursprünglichen Kosten der Produktion an sich, etc. pp.

All das ist mit 50-60 Leuten im Haus leider nicht zu finanzieren und oft genug stehen wir vor der schmerzlichen Entscheidung entweder draufzuzahlen oder die Vorstellung absagen zu müssen. Manchmal übernimmt diese Entscheidung der Veranstalter, machmal wir, machmal die Agentur. In jedem Fall verursacht es jedesmal Schmerzen. Für euch, unser Publikum und für uns. Denn wir lieben unseren Beruf, haben ihn aus Leidenschaft ergriffen, weil er für uns das Leben ausmacht und nichts würden wir lieber tun, als diese heiligen komischen Abende gemeinsam mit euch zu zelebrieren.

Arnd Schimkat